Vorhin kam ein recht junger (geschätzt ende 30, anfang 40) und gut gelaunter Mann in den Laden. Freundlich war er, hat gescherzt und gelacht.
Was ich für ihn tun könne? Ein Trauergesteck wolle er haben und lächelt dabei. Ich bitte ihn mit mir ins Büro zu kommen und wir besprechen seine Vorstellungen. Irgendetwas schönes. Nicht zu groß, aber schön solle es sein.
Ich frage was die Verstorbene denn für Farben mochte. Oder ob sie besondere Blumen gern hatte. Nein, das seie egal. Sie ist zum Schluss blind gewesen und konnte mit Farben eh nichts mehr anfangen. Er lächelt. Hm.
Wir einigen uns auf ein rot-gelbes Gesteck und ich frage ihn, welcher Text auf der Schleife stehen soll. Er zuckt die Schultern: was schreibt man denn da so drauf? Ich schlage für die eine Seite “ein lieber letzter Gruß” vor – das nimmt er dann auch. In der Regel druckt man auf die andere Seite seinen Namen. Nein, das wolle er nicht. Ich schlage ihm “dein Enkelsohn” vor und er guckt mich verdutzt an.
Nein, meine Oma lebt nocht. Meine Frau ist tot.
Ich spreche schnell mein Beileid aus. Aber ich glaube er hat gesehen, dass mir zuerst die Kinnlade runtergeklappt ist und meint: Wissen sie, sie war schon lange sehr krank. Ein Pflegefall. Für mich ist sie schon lange tot.
Ich glaube… ja. Er ist da. Für heute jedenfalls. Nein, für jetzt vielleicht. Mal sehen wie lange noch. Hach…
Die Sonne knallt und ist schon richtig schön warm im Gesicht. Der Himmel ist blau und keine einzige Wolke ist zu sehen. Die Kunden kommen gut gelaunt und lächelnd in den Laden. Ich lächele mit und kann fast jeden überreden doch noch eine kleine Tulpe im Topf oder eine Primel mitzunehmen. Passt ja so schön zum Wetter. Die Ladentür steht sperrangelweit offen und ausnahmsweise friere ich nicht. Das erste mal seit nun 4 Monaten ist es nicht zu kalt im Laden. Zich kleine Körbchen habe ich mit Fürhlingsblühern bepflanzt und hübsch verziert mit Kies und Schmetterlingen. Knallig grün sind unsere Keramikwaren.
Schönschön.
Gefrühstückt haben wir heute morgen alle zusammen. Chefe hat eine Runde Brötchen geschmissen. Und Kaffee.
Ich habe mich nicht über die Kundin geärgert die meine Mittagspause um 15 Minuten verkürzt hat.
So kanns heute Nachmittag gerne weitergehen.
Btw: es ist nicht komisch wenn ich bei “warmen” 8°C Außentemperatur im T-Shirt rumlaufe und im Auto eine Sonnenbrille trage… oder?
“Hallo?”
“Gudn Doach, ich wollt nu saschen dass wir no öf die Stadtbüscha wordn. März mein Nome.”
???? “Ich glaub sie haben sich verwählt…”
“Nonu? Des dut mir Leid. Schuldischen Sie.”
-tut tut tut-
Mein Handy klingelt wieder.
“Hallo?”
- “Ja soag einmal! Nü bin isch schonwiedör bei Ihnen gelandöt *nuschelnuschel* ich wollt do eugendlich zum Pageddienst.”
“Hmne… das sind sie hier wohl falsch.”
- “Des dud mir Leid. Auf wiederhören.”
Das mit den Autohäusern macht wirklich keinen Spaß mehr. Die Dame über deren Schreibtisch die Rechnungen gehen, hat uns nun angewiesen jedesmal einen Beleg beizufügen. Dadrin soll enthalten sein, was geliefert wurde, wann, vom wem bestellt, und wer es angenommen hat. Inklusive Unterschriften.
Wie zu erwarten war, klappt das nicht. Die Herren nuscheln ihren Namen oder bestellen im Auftrag ihrer Kollegen. Bei der Straußübergabe kritzeln sie einen Kringel auf den Bestellschein bei dem niemand mehr erkennen kann, welcher Name das denn wohl sein könnte.
Weil das alles Mist ist, sollten die Autohausmenschen nun ihre Bestellungen per Fax zu uns schicken. Und auch das klappt nicht, weil die eine Hälfte der Verkäufer nichts davon wusste und dann bei uns vergessen wurde Papier ins Faxgerät zu legen.
Saublöd.
Ich bin ja mal gespannt wie das nun weitergeht. Ich nehme mittlerweile nur noch ungern Bestellungen von denen an oder liefere aus, weil ich sicher gehen kann dass am Ende wieder irgendwas falsch ist.
Ich weiß nicht was der/die sich gedacht hat/haben. Mal Karten auf den Tisch: ein kleiner Blumenladen wie unserer hat nach dem Tagesgeschäft vielleicht 150 Euro in der Kasse. Momentan ist kundentechnisch eh eher flaute und große Beträge werden mit EC Karte bzw auf Rechnung gezahlt.
Vielleicht wolltense ja Blumen klauen. Vasenweise damit es sich lohnt. Oder zwei Ständer Postkarten. Oder frostfeste Steindeko für den Garten.
Gescheitert sind sie aber an unserer mehrfachverriegelten Tür. Ein bisschen Metall ist verbogen, mehr nicht.
Das alles muss in unserer Mittagspause passiert sein. Am hellichten Tag. Merkwürdig.