
Vor einer Weile ist eine Verwandte von mir verstorben. Die ich eigentlich gar nicht kannte. Heißt nicht, dass ich deswegen nicht irgendwo traurig bin – aber nunja. Wenn zu dem Familienzweig so überhaupt kein Kontakt mehr besteht und man auch nie die Möglichkeit hatte jemanden dort kennenzulernen, geht das mehr oder weniger an einem vorbei. Eine Mitteilung über den Tod, ein kurzes Telefonat, Ratlosigkeit. Beisetzung zu der man nicht geht – man kennt halt niemanden und es kam mir komisch vor, mich in die wirklich trauernden Reihe einzugliedern. Das Grab habe ich im Nachhinein besucht und auch ein letzter Blumengruß kam von mir. Kam mir irgendwie anständig vor. Naja. Aber das wars dann auch irgendwie.
Wochen später en Schreiben vom Gericht: wollen sie erben? Wenn nicht, bitten wir sie das Erbe auszuschlagen. Eine Frist von 6 Wochen bestünde.
Ja, und da stehe ich nun. Gerade eben war ich beim Gericht – und der total idiotische, unfreundliche und abartige Mensch Beamte dort macht einen Aufriss. Sie wussten also vom tot? Ja, das tat ich. Ja und wieso kümmern sie sich dann nicht drum? Ich bin doch jetzt hier – genau deswegen. Von der 6 wöchigen Frist wussten sie? Ja, steht ja in dem Schreiben. 6 Wochen ab Kenntnis des Todes, nicht ab dem Schreiben! Das tut mir Leid- das wusste ich nicht. So viele Sterbefälle hatte ich in meiner Familie noch nicht – das ist Neuland für mich. Sie wussten aber schon, dass man ein Erbe ausschlagen muss?! Ja, war mir bekannt. Deswegen bin ich ja hier. Ja, sie sind hier – 5 Wochen zu spät!
Ich wär ihm am liebsten ins Gesicht gesprungen. Woher soll ich das denn bitte wissen? Seit 18 Jahren besteht kein Kontakt mehr zu der Verstorbenen und allen anderen Erbberechtigten. Zu erben gibt es nur vielstellige Schulden. Wieso geht der Mensch davon aus, dass ich die haben will? Mal ganz davon abgesehen: ich hätte so oder so auf das Erbe verzichtet. In der Erbfolge stehe ich irgenwo ganz unten – wenn es wirklich etwas gegeben hätte, hätte ich das bereitwillig den Menschen überlassen, die näheren Kontakt zu ihr hatten – weil ich finde, dass mir nichts zusteht.
Das ging dann noch ein wenig hin und her – ich, die miesefiese böse und hinterliste Betrügerin und Erbschleicherin. Zähneknirschend hat er mir dann doch noch eine Anfechtung geschrieben. Die wird nun auf Betrügerei meinerseits geprüft – und wenn ich Glück habe, bin ich raus aus der Nummer. Wenn nicht, gehts vor Gericht.
Also als Tipp an alle: ein Erbe muss innerhalb von 6 Wochen ab Kenntnis des Todesfalles ausgeschlagen werden. Niemals nicht nicht nicht auf ein Schreiben vom Gericht warten! Zur Not muss hinterhertelefoniert werden – der Staat kann ja nicht jeden an die Hand nehmen und ihm zeigen wie alles geht, sagte mein Beamter so schön dreist.
Uff. Dabei bin ich doch immer eine treure Leserin des Bestatterweblogs und dachte, ich würde mich ein wenig auskennen.