Angst und Schrecken geht bei uns um. Und Stress potenziert mit 10.
Unser Geschäft wird demnächst geprüft. Auf Qualität und so. Vom großen Blumenversandpartnerdings. Die mit dem F.
Einen 25-seitigen Fragenkatalog gilt es zu bestehen. Wie sieht der Laden aus? Wie ist die Ware? Wie verkaufen wir? All so Dinge. Natürlich spezifischer mit Blick aufs Detail.
Die nächsten Tage werden wir (respektive ich) den Laden wischen, fegen, umräumen, ausräumen, machen tun tralala. Das ist die eine Seite. Auf der anderen müssen wir Top Ware und eine große Auswahl haben. Klingt natürlich erstmal selbstverständlich – aber in der Praxis ist das nicht immer so umsetzbar.
Wir versuchen natürlich immer passend einzukaufen. Aber es kommt immer mal vor, dass man sich verschätzt oder nicht so gute Waren vom Händler bekommt. Da werden die Rosen mal fleckig oder die Tulpen gehen zu schnell auf.
Solche Waren geben wir dann unterm Preis raus oder binden sie in Trauergestecke. Oder verschenken sie gar zum Wochenende. Das ist dann zwar in manchen Fällen schade, aber wir und unsere Kunden können damit leben.
Eine große Auswahl haben ist auch so eine Sache. Am Beispiel Rosen: wir haben immer lange, große rote Rosen im Angebot. Große weiße, mittlere orangene und kleine rote. Dazu dann immer ein wechselndes Sortiment an “besonderen” Rosen. Je nachdem was auf dem Großmarkt gerade zu einem guten Preis angeboten wird und was die Kunden so wünschen. Auf Bestellung können wir eigentlich alles besorgen.
Aber alles da haben können wir nicht. Wenn die Nachfrage klein ist – so wie in den ersten Monaten dieses Jahres, hat es keinen Sinn groß einzukaufen. Denn sonst sind wir wieder am vorherigen Punkt – die Ware wird schlecht, wir müssen sie verschenken. Im unternehmerischen Sinne ist das natürlich katastrophal.
Nun sind wir am überlegen, wie wir das machen. Wir wollen dem Prüfer natürlich zeigen, dass wir noch immer ein qualitativ hochwertiger Laden sind. Wir brauchen also viel Ware. Gute Ware. Ob wir die dann auch noch loswerden, ist eine andere Sache.
Ich frage mich auch, in wieweit die die äußeren Umstände beurteilen. Je nach Standort und Kundenstamm hat jeder Floristikladen andere Schwerpunkte. Ein Laden neben dem Friedhof hat natürlich viel Trauerflora. In weiß, rot und blau. Hübsche bunte Sträuße wird der wohl kaum verkaufen.
Andersrum, der Blumenladen im Krankenhaus wird genau solche Sträuße haben. Bunt, zur Aufmunterung der Patienten. Weiße Trauerblumen sind da unangebracht.
Jaja, ich weiß. Ich schweife ab. Eigentlich wollte ich nur erzählen, dass wir uns alle sehr unsicher sind und nicht genau wissen was von uns verlangt wird. Den Fragenkatalog haben wir zwar, und viele Punkte können wir auch guten Gewissens abharken – aber in der Warenfrage sind wir uns noch nicht einig. Chefe schreit wir müssen massenhaft einkaufen. Chefin ruft wir müssen mindestens 30 Sträuße fertig haben. Und Werkstücke. Themenbezogen. Unsere Auszubildene will mal eben den Laden streichen und alles umräumen. Und ich… ich werde mich verstecken. Die blöde Praktikantin will nämlich nicht geprüft werden.