Conficker

30. März 2009

Abgelegt unter: Hardware, Software, Täglicher Wahnsinn — sarah @ 14:44

Am Samstag fand ich an meinem Arbeitsplatz den passenden Bildzeitungsartikel in ausgeschnittener Form und mit einem Post-it versehen an die Wand gepint vor.

Liebe Sarah, sind wir sicher? Können sie bitte einmal nachsehen ob unser Computer am 1. April kaputt gehen könnte? Vielen Dank.

Als meine Chefin mich etwas später nochmal darauf ansprach, versicherte ich ihr, dass uns nichts passieren wird. Wirklich nicht? Könnten sie vielleicht nochmal nachsehen?
Hm. Einmal wichtig guckend vor den Rechner gesetzt und entwarnung gegeben.
Dankeschön!
Ja, gerne doch.

Danke für den Fisch

Abgelegt unter: Blumenkrieg — sarah @ 08:46

Es passiert immer wieder. Täglich. In Millionen von Blumenläden. Die meistgehasste Frage für einen Floristen. Und wahrscheinlich auch die, auf die am häufigsten gelogen wird.

Eine Kundin betritt den Laden. Schaut sich die Schnittblumenvasen und dann die fertigen Sträuße an.

“So einen da hätt ich gern!” sie deutet auf einen hübschen kleinen Strauß.
Ich will ihn aus der Vase nehmen um ihn der Dame einzupacken.
“Halt! Den da doch nicht!”
- “Oh, den dahinter? Da hab ich mich versehen…”
“Blödsinn. Der war schon richtig. Aber ich will einen neuen. Der da ist doch nicht frisch.”
- “Doch, natürlich ist der frisch. Den haben wir gestern Abend vorbereitet.”
“Sehen Se? Gestern Abend. Ich will neue Blumen.”
- “Na, aber das sind die gleichen Blumen wie auch in den Vasen hier stehen – selbe Lieferung, genauso neu. Nachts stehen sowohl die Schnittblumen, als auch die Sträuße bei uns im Kühlraum, da passiert gar nichts mit.”
“Dann sind die Blumen hier auch gar nicht neu? Dann lassen se mal. Ich sehe mich noch woanders um. Wiedersehen.”

Da kann man reden wie man will. Die Kunden lassen sich einfach nicht davon überzeugen, dass ein Strauß tatsächlich mehr als einen Tag halten kann. Am liebsten hätten sie ihre Rosen von mir frisch aus dem Garten gepflückt.

Aber in der Realität sieht die Sache nunmal anders aus. Exoten oder besonders schöne Rosen wachsen nunmal nicht in Deutschland. Sie werden in Kenia oder Ecuador gezogen, geerntet, verpackt, hierher geflogen, landen in Aalsmeer/Holland, in der Versteigerung, beim Händler – und dann im besten Falle beim Floristen, der sie dann nach Deutschland in seinen Laden fährt. Oder aber bei einem zweiten Händler, der sie dann nach Hamburg/Bremen auf den Großmarkt transportiert und dann vom Floristen gekauft werden. Sowas geht nicht innerhalb von 5 Minuten und es führt gar kein Weg daran vorbei, dass die Blumen einige Tage unterwegs sind und zwischengelagert werden. Das ist überall so und der Kunde hat meistens gar keine Vorstellung davon, was da alles hinter den Kulissen abläuft.

Bei uns kommen die Blumen teilweise in Bottichen mit Wasser an, und teilweise trocken in Containern. Je nach Blumenart, macht ihnen das nichts aus. Ist die Lieferung angekommen, haben wir die große Rennerei. Trocken liegende Blumen werden aus der Verpackung genommen, einzeln angeschnitten und auf Wasser gestellt.
Die Bottiche werden überprüft und Wasser nachgefüllt. Ca 1/3 der Lieferung wird für den Kunden vorbereitet und in Vasen nach vorne in den Verkaufsraum gestellt. Der Rest kommt in den Kühlraum und wird dort gelagert – bis die Verkaufsware vorne nachgefüllt werden muss.

So kann es vorkommen, dass die Blumen 3-5 Tage bei uns “liegen”, bis sie alle verarbeitet sind. Klingt lange – ist es aber nicht. Bevor wir Vasen oder Sträuße nach vorne stellen oder verkaufen, schauen wir uns die Blumen genau an. Wir können genau sehen ob die Rosen anfangen fleckig zu werden oder die Tulpen matschig. Solche Waren werden von uns sofort aussortiert, verschenkt oder günstiger rausgegeben – denn nichts ist für einen Blumenladen schlimmer als den Ruf weg zu haben, altes Kraut zu verkaufen. Kundenbeschwerden sind unangenehm – besonders wenn zu der Zeit noch andere Kunden im Laden sind und die Beschwerde mitbekommen.

Von daher ärgern mich Kunden, wie die oben beschriebene, sehr. Die Leute haben überhaupt keine Vorstellung davon, wieviel Arbeit wir mit der Warenpflege haben. Von meinen 8 Stunden Arbeitszeit täglich, bin ich bestimmt 5 davon damit beschäftigt mich um die Blumen zu kümmern. Würden wir das nicht tun, müssten wir keine 5 Angestellte haben. Dan würde ein Florist zum binden und eine angelernte Kraft zum Verkaufen reichen.

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