Grob gesagt gibt es zwei Arten von Kundinnen. Die, die gerne sofort bedient werden und die, die das nicht wollen.
Die erste Sorte kommt in den Laden und stellt sich demonstrativ vorne an den Tresen. Stellen ihre Tasche ab und rufen Haalloooo. Das sagt mir dann, ich muss sofort alles stehen und liegen lassen und zu der Kundin eilen, die dann entweder exklusive Wünsche hat und das Beratungsgespräch damit lang hinzieht, oder eigentlich nur eine Kleinigkeit haben wollen und die (damit eigentlich gesparte Zeit) mit Unterhaltungen ausfüllen. Das Wetter, die Nachbarin, die Politik, die Schweinegrippe… hauptsache zeitfüllend und uneffektiv.
Die andere Sorte Kundin ist die, die verstohlen und leise in den Laden kommt und sich umsieht. Meistens in den hinterletzten Ecken wo sonst niemand hingeht. Und mich damit zu Tode erschrecken, weil ich um die Ecke eile und dort niemanden vermute. Diese Kundinnen kaufen oft nichts oder nur Kleinigkeiten – Beratung wünschen sie nicht und Unterhaltungen oder ein Lächeln auch nicht. Nichtmal den schönen Tag Wunsch erwiedern sie, kein Danke, kein auf Wiedersehen.
Bei beiden Kundinnenarten kann man gravierende Fehler machen. Lässt man Gruppe 1 einen Moment warten, weil man gerade etwas anderes tut, einen Kunden bedient oder telefoniert, fangen sie an unfreundlich zu werden. Nervöses umgesehe, auf die Uhr schauen. Bedient man sie dann, kann man ihnen bei exklusiven Wünschen nichts recht machen. Kaufen sie eine Kleinigkeit, wird die (ihr natürlich zustehende) Zeit mit gemotze über Blumenqualitäten und Preise gefüllt. Sie gehen unzufrieden und muffelig aus dem Laden.
Bei Gruppe 2 ist es gefährlich, sie zu früh oder überhaupt anzusprechen. Spreche ich sie sofort an, fühlen sie sich überrumpelt oder von mir gestört, gucken mich böse an. Nein sie können mir NICHT helfen! na, dann halt nicht. Spreche ich sie an wenn sie sich schon eine Weile umgesehen habe, werde ich genauso böse angeguckt. Nein ich habe hier NICHTS gefunden. und rauschen aus dem Laden.
Ich mag beide Arten nicht. Darf ich ja eigentlich nicht sagen – ich muss ja alle meine Kunden mögen und freundlich bedienen. Zweiteres mache ich auch. Nur mögen, das will ich nicht.
Ich habe manchmal so das Gefühl, als würde ich von diesen Kundinnen nur als Verkaufs- und Beratungsautomat gesehen werden. Hauptsache funktioniert. Egal wie unfreundlich die Kundin ist, ich muss ihnen zu diensten sein. Und wehe es läuft einmal etwas nicht so wie sie wollen.
Dabei ist es eigentlich ganz einfach: erwiedert man meine Freundlichkeit, verläuft die ganze Sache für beide Seiten viel angenehmer. Ich habe überhaupt nichts dagegen mich mal etwas länger mit einer Kundin zu unterhalten, netten Kunden schenke ich auch mal eine Rose und liefere kostenlos 50l Erde mit dem Fahrrad zu ihr nachhause.
Was die meisten dabei aber nicht verstehen ist, dass es ihnen nicht von Grund auf zusteht. Blökt man mich schon an, wenn ich sie nur anspreche, verschenke ich auch nichts. Und dann verlange ich auch die 6 Euro Lieferkosten.
So einfach ist das liebe Kundinnen.
BTW: Ja, ich habe mit Absicht nur in der weiblichen Form gesprochen. Diese Phänomene treten tatsächlich nur bei KundINNEN auf. Männer sind da anders. Nicht einfacher, aber doch gravierend anders.
