Mir ist nichts mehr peinlich I

8. April 2009

Abgelegt unter: Blumenkrieg, Täglicher Wahnsinn — sarah @ 18:42

Nein, mir ist wirklich nichts mehr peinlich. Der Blumenladen hat mich abgehärtet.

Vor einer Weile wurde ich zur Apotheke geschickt. Chefe braucht eine Salbe, weil er juckenden Ausschlag hat. An den Namen der Creme konnte sich die Chefin nicht mehr genau erinnern – aber ich krieg das schon hin. Nungut.

“Kann ich ihnen helfen?”
- “Ja. Ich brauche eine Salbe… Tann… irgendwas heißt die. *leise* Gegen Ausschlag.”
“Wo haben sie denn Ausschlag?”
ruft sie fröhlich.
- “Ich? Gar nicht. Ist für meinen Chef. Wo er den hat weiß ich nicht…”
“Achso. Hm. Juckt er oder ist schmerzhaft?”
- “Keine Ahnung. Wie gesagt… ist nicht für mich.”
“Also sollte er länger als 3 Tage anhalten und schmerzhaft sein, müsste auf jeden Fall ein Arzt aufgesucht werden.”
- “Ja, danke. Sag ich ihm.”

Sie huscht weg und wühlt irgendwo im Regal.
“Soo… hier haben wir Tannolact Creme. Anzuwenden bei: Hauterkrankungen mit Entzündungen oder Juckreiz in den Achselhöhlen, im Genital und Analbereich, auf der Brust oder den Oberschenkeln. Ist das so richtig?”
Die umstehenden Kunden gehen gefühlte 10 Schritte von mir weg.
- “Wird schon richtig sein. Die nehm ich…”
“Bitte 3 mal täglich dünn auftragen!”
- “Dankesehr…”

Auskunft vom Bestatter

Abgelegt unter: Blumenkrieg — sarah @ 12:12

Ich habe ja schon desöfteren erzählt, dass wir auch Trauerflora herstellen. In der Regel wird so eine Bestellung aufgegeben und wir sollen die Gestecke und Kränze entweder ins Bestattungsinstitut zur Trauerfeier liefern, oder direkt auf den Friedhof zur Beisetzung.

Häufig, besonders wenn die Bestellenden nicht zum engsten Familienkreis gehören, wissen sie nicht zu welchem Termin die Trauerfeier denn genau ist. Ist gar kein Problem, wir rufen im Bestattungsinstitut an und erfragen die Daten damit wir pünktlich liefern können.

So auch heute…

“Bestattungshaus [...] Minden mein Name, guten Tag.”
“Blumenladen xy, hallo… wir sollen Ihnen morgen ein Gesteck für Trauerfall Hase liefern, könnten sie mir sagen wann die Trauerfeier ist?”
- “Tut mir Leid, die Angehörigen möchten im engsten Familienkreis bleiben – ich darf ihnen den Termin nicht nennen.”
“Wir möchten ja auch nur das Gesteck liefern…”
- “Hmm *raschelraschel* tut mir Leid die Angehörigen bitten ausdrücklich darum keine Daten herauszugeben.”
“Ahja… dann ist es in Ordnung wenn wir das Gesteck um 10 Uhr bringen?”
- “*raschel* 10 Uhr ist zu spät.”
“Halb 10, 9, 8…?”
- “Darf ich Ihnen ja eigetlich wirklich nicht sagen. Aber liefernse mal um 9.”
“Dankesehr…”

Wieso einfach, wenns auch schwierig geht? :skeptisch:
Ich kann ja verstehen, dass die Leute da sowas wie Schweigepflicht haben und am Ende was aufn Deckel bekommen, wenn etwas schief läuft. Aber ich muss doch auch nur meine Arbeit machen – unsere Kunden sind genauso böse, wenn sie viel Geld für ein Gesteck oder Kranz ausgeben und wir die Sachen dann nicht einmal liefern können.

Den Fall hatten wir aber auch schon andersrum. Eine Kundin gab einen Kranz in Bestellung und gab vor den Trauerfeiertermin vergessen zu haben. Gar kein Problem, wir riefen an, erfragten die Daten und gut war.

Am nächsten morgen rief sie an und fragte ob wir das Gesteck schon geliefert hätten. Nein, hatten wir noch nicht. Gut, dann wolle sie gleich noch einmal vorbeikommen und sich das Gesteck ansehen – damit sie wisse welches ihres ist. Auf Trauerfeiern lägen ja immer so viele. Bis wann sie kommen könnte? Bis 10 – dann würden wir liefern.

Einen ganz bösen Anruf bekamen wir dann später vom Bestatter. Wir hätten der Frau nicht sagen dürfen wann die Trauerfeier ist. Die Angehörigen wären stinkwütend.

Ganz schön dumm gelaufen.

Livestimmenhölle

7. April 2009

Abgelegt unter: Blumenkrieg, Täglicher Wahnsinn — sarah @ 19:47

Eigentlich wollte ich nur drum bitten, dass uns unsere Zugangsdaten neu zugeschickt werden. Eigentlich. Nicht aber bei dem ganz großen Telefonanbieter in der Knallfarbe.

Ich wähle die Servicenummer und lande bei so etwas wie einem Anrufbeantworter mit Spracherkennung, nachdem mir der Jingle ins Ohr gedüdelt ist.

“Guten Tag und willkommen bei [...] Servicenummer [...] was ist ihr Anliegen?”
Ich warte drauf, dass der Anrufbeantworter weiterspricht und mir Auswahlmöglichkeiten gibt, die ich dann per Nummer wählen kann. So funktioniert das jedenfalls bei meinem Handy. Ich warte. Es kommt nichts. Stille.
“Bitte sprechen sie nun den Grund ihres Anrufes ins Telefon. Sie werden dann zu einem Mitarbeiter im jeweiligen Kundenbereich weitergeleitet.”
Stille. Ich sehe mich verschämt um – kein Kunde in der Nähe. Gut. “ZUGANGSDATEN!”
“Vielen Dank. Handelt es sich um den Telefonanschluss von dem sie gerade anrufen?”
Nochmal verschämt umsehen. Keiner da. Gut. “JA!”
“Vielen Dank. Sie werden nun an einen freien Kundendienstmitarbeiter durchgestellt.”

Nunja. Nachdem ich 3 verschiedenen Callcentermenschen unsere Kundennummer, Telefonnumer, Adresse und meinen Namen genannt habe, zwei mal versucht wurde mir irgendein IPhonevertrag anzuquatschen, ich vergeblich versucht habe mein Problem zu schildern um dann endlich beim richtigen Servicemitarbeiter zu landen – sagt mir die Dame dass wir als Geschäftskunden unsere Zugangsdaten nur per Fax anfordern können. :skeptisch:

Die Servicenummermenschen hängen übrigens an jedes Gesprächsende einen gut auswendig gelernten Text an.

Vielen Dank für ihren Anruf, ich hoffe sie waren zufrieden mit meinem Service und ich konnte ihnen weiterhelfen. Falls sie zukünftigt Fragen haben sollten, freuen wir uns auf ihren Anruf. Ihre Zufriedenheit ist uns wichtig. Mein Name ist [...] und ich wünsche ihnen noch einen angenehmen Tag.

Irgendwie witzlos wenn man das vom dritten Mitarbeiter nacheinander hört, die einem alle nicht helfen konnten.

Ehrentag

Abgelegt unter: Blumenkrieg — sarah @ 13:19

So einen hatte ich vor ein paar Tagen. Glückwünsche und Geschenke gabs nicht – aber nunja. So wichtig warer eigentlich auch nicht. Oder doch? Hmm.

Die Hälfte meiner offiziellen Blumenladenzeit ist nun vorrüber. Bergfest sozusagen. Ein Meilensteinkiesel. In weniger als 6 Monaten gehts ins Studium – in eine Stadt ziemlich weit weg. Ich freu mich ja drauf – endlich wieder nicht so branchenfremd tätig sein. Geplant hatte ich ja eigentlich nie Blumen zu tüddeln. Hat sich halt so ergeben – und falsch war das nicht, kann ich jetzt sagen. Auch wenn ich immer viel meckere, sind mir die Blümchen doch ans Herz gewachsen. Der Laden, meine Kollegen. Und die Kunden. Langsam kennt man sich ja doch ganz gut.

Ich weiß noch ziemlich genau wie mein erster Tag war. Meine erste Amtshandlung war die Beerdigung eines ziemlich toten Maulwurfs/Frettchen/Felltier. Konnte man nicht so gut erkennen – der lag wohl schon so einige Zeit bei uns auf dem Hof und hat auf die neue Praktikantin gewartet.

Nur so

5. April 2009

Abgelegt unter: Blumenkrieg — sarah @ 07:44

“Liefern Sie auch?”
- “Natürlich. In ganz Bremen. In der Umgebung hier sogar umsonst.”
“Achso. Und außerhalb von Bremen?”
- “Das Liefern wir nicht direkt – dafür sind wir Fleuroppartner und würden den Auftrag in ein näher gelgenes Geschäft schicken.”
“Hm. Achso. Und in Bremen?”
- “Liefern wir selber.”
“Das mit dem Fleurop kostet mich mehr, oder?”
- “Ja, da kämen dann die Lieferkosten und die Servicepauschale hinzu.”
“Hmm. Und wenn sie das zum Rand von Bremen fahren? Das ist ja schon ganz schön weit für sie.”
:skeptisch: – “Ja, stimmt schon. Liefern wir aber trotzdem.”
“Ist das dann teurer?”
- “Ja, ist es. Wohin möchten sie denn etwas schicken?”
“Ich? Nirgends … und wenn sie zwei Aufträge bekommen und die in die geiche Straße müssen, ist das dann günstiger?”
- “Normal nicht, nein. Was kann ich denn für sie tun?”
“Für mich? Nene, gar nichts. Ich wollte ja eigentlich zum Bäcker und da bin ich auf dem Weg an ihren Geschät vorbei gekommen… ich fand die Fensterdeko so schön.”

Sie lächelt und geht.

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