Wenn man in einem Unternehmen mit bestimmt 150 Mitarbeitern arbeitet, sieht man die Welt irgendwann mit ganz anderen Augen.
Mein Chefchefchef kennt mich beim Namen und grüßt mich jedesmal persönlich, wenn er mich sieht. Andererseits muss ich nachfragen wenn ich aufs Klo muss und auf jedenfall den Dienstweg einhalten, wenn ich eine Bitte habe oder ein persönliches Anliegen.
Wenn ich meine Kasse abrechne und in der Zentrale anrufe, bin ich nur eine Nummer. Meistens jedenfalls. Eine Kollegin gibt es dort, die meinen Namen der Nummer zuordnen kann und auch mal Danke und Bitte sagt.
Es gibt Kollegen, die schon 20 Jahre dort arbeiten. Und welche, die man eigentlich nie sieht und auch niemals kennenlernt.
Ich habe eine Kollegin, die könnt ich jedesmal an die Wand klatschen. Obwohl ich mir wirklich Mühe gegeben habe, sie zu mögen. Und eine neue Kollegin, die nie hallo oder tschüss sagt. Obwohl man ja eigentlich – gerade wenn man neu ist – bemüht ist die Kollegen kennenzulernen.
Meine Kollegen sind Mütter, Alleinstehend, Witwer. Gelernt, ungelernt. Schüler und Studenten. Schulabbrecher oder kurz vor der Rente.
Zu Weihnachten habe ich ein Geschenkpaket bekommen. Das hat mich sehr gefreut. Die Weihnachtsfeier habe ich mir leider geschenkt – zeitlich war mir das alles zu eng und sowieso. Aber mittlerweile denke ich, dass ich bei sowas ruhig mal mitgehen sollte.
Mein Kollege links ist studierter Chemiker. Die Kollegin rechts gelernte Schneiderin. Verdienen tun sie jetzt das gleiche.
Zu Silvester war ich alleinverantwortlich für die Pyrotechnik. Das hat mir Spaß gemacht.
Eine Kollegin ist nun für die Zigaretten zuständig. Automaten auffüllen und Waren bestellen. Sie ist nichtraucherin.
Vor 2 Monaten hatten wir einige Fälle der Schweinegrippe im Betrieb. Der Hygieneplan, der jeweils an den Klotüren von innen hängt, sowie neben den Waschbecken, wurde zeitnah mit Kugelschreiber durch ein paar Ausrufezeichen und Unterstreichungen ergänzt. Nun heißt es Nach dem Toilettengang sind die Hände zu waschen !!!
Die Kollegen vom Fleisch würden gerne beim Käse arbeiten. Die vom Käse lieber beim Fisch. Alle zusammen haben immer dicke Westen an, weil sie im Kühlhaus hantieren.
Am liebsten sind mir die Kassen in der mitte. Die ganz vorne sind immer brechend voll und mit den nervigsten Kunden belagert, die ganz hinten sind wie augsestorben.
Ich komme immer ein bisschen zu früh zur arbeit, um mich umzuziehen, aufs schwarze Brett zu schauen und noch einen schnellen Kaffee zu trinken. Eigentlich bin ich dann noch nicht im Dienst. Trotzdem kläre ich dann Arbeitszeitfragen im Büro oder helfe Kunden ihre Einkäufe zu finden.
Ich bin nun ziemlich genau 3 Monate im Betrieb. Anfangs fand ichs anstrengend mit den vielen Leuten und dem Lärm. Es hat mr angefangen Spaß zu machen, nachdem ich mich eingearbeitet hatte. Zwischendurch war ich so wütend, dass ich kündigen wollte. Mittlerweile hat sich mein Dienstplan eingependelt und ich gehe ganz gerne hin.
Schaunma mal, was noch so kommt.
