Unangemessen

2. September 2009

Abgelegt unter: Blumenkrieg — sarah @ 10:00

Vor einer Weile hat meine Chefin ein kleines Trauergesteck in Auftrag genommen. Jenes hat unsere Auszubildene am Tag danach alleine gesteckt – sie hat bald Abschlussprüfung und muss sich damit mal langsam vertraut machen. Da kam das kleine Gesteck gerade richtig…

Später kam dann ein junger Mann in den Laden.
“Guten Tag, Schierenbeck mein Name, ich möchte das Gesteck abholen”

Ich hole unsere Auszubildene, damit sie das Gesteck herausgeben kann. Zum einen, weil sie dem Mann die Rechnung besser aufschlüsseln kann und zum anderen, ist sie nun bald fertig mit der Ausbildung, weswegen sie “ihre” Aufträge von vorne bis hinten alleine abwickeln soll. Will ja alles gelernt und geübt sein.

“Hallo… das Gesteck? Das ist sehr schön geworden. Ich hab weiße Rosen, Schleierkraut und Nelken verwendet. Sehen sie? Das wirkt doch…” Sie strahlt den Herren an. Nett isse ja immer.
- “Ja, danke”
“Damit können sie doch guten Gewissens auftauchen…”
- “Naja.”
“Ist aber ja kein schöner Anlass…”
- “…”
“Dafür sind die Blumen umso schöner!”
- “Was bekommen sie denn jetzt dafür?”
“Ah… 42,50 sind das dann bitte.”

Er bezahlt und packt schnell seine Sachen zusammen.
- “Einen wunderschönen Tag wünsche ich Ihnen dann noch!”
“Ich gehe auf die Beerdigung meiner Tochter.”
- “Oh… das ist ja nicht so schön. Hm…”
“Wiedersehn.”
- “Ähm ja. Entschuldigen sie, ich wollte nicht…”
“Wiedersehn!”

Der Mann verlässt abprubt den Laden und unsere Azubine schaut mich unglücklich an.
“Hast dich reingeredet, wa…”
- “Ach scheiße. So war das ja gar nicht gemeint, ich wollt doch nur…”
“Ja… ich weiß.”

Sowas sollte natürlich nicht passieren. Sie hat sich so über ihr gelungenes, erstes Gesteck gefreut, dass sie darüber den Anlass verdrängt hat. Das interessiert den Kunden natürlich nicht – und ich hab ihn seitdem auch nie wieder gesehen.

Weigerung

22. August 2009

Abgelegt unter: Blumenkrieg — sarah @ 14:52

Ach, das ist so anstrengend.

Unser Laden bekommt neue Werbung, Visitenkarten, Aufsteller, Klebedinger, Visitenkarten, Anhänger, Aufkleber, Papier…

Und jedes mal, wirklich JEDES mal schickt meine Chefin eine olle, ausgeblichene Kopie unseres Logos an die jeweilige Firma, die uns den Kram drucken soll. Und jedes, wirklich JEDES mal, erstellt die jeweilige Firma eine neue Version unseres Logos – das zwar irgendwie unserem eigenen ähnelt, aber doch jedes mal anders ist. Je nachdem welcher Mediengestalter da grade dran rum verktorisiert hat.

Es wäre so sehr viel einfacher, uns einmal eine fertige Vektorgrafik von einer jeweiligen Firma zuschicken zu lassen, damit wir es bei anderen Aufträgen weiterverwenden könnten. Und alles mal einheitlich ist. Aber nö, wieso auch…

Weiter geht es dann mit den 4 verschiedenen Versionen unseres Geschäftspapieres. Mal grün, mal blau, mal rot. 5 verschiedene Schriftarten.

Selbstgemachte Visitenkarten und Flyer, wahlweise in Word oder per Webinterface bei einem billig-Drucker erstellt. Da fehlt das Logo mal ganz, es wird geplenkt und Sätze mit 5 Ausrufezeichen beendet.

Corporate Identity kennt niemand und wieso sollte man die wunderschöne Schnörkelschrift nicht im Fließtext verwenden?

Ich hab auch keine Lust mehr, etwas dazu zu sagen. Man hätte sich ganz einfach EINE Druckerei aussuchen können, denen die Aufträge erteilen, Lieferspesen und ganz viele Nerven sparen können. Man hätte ein schönes, einheitliches Ergebnis.

Aber nö… wieso auch.

Bestattungsempfehlungen

Abgelegt unter: Blumenkrieg — sarah @ 14:15

Ab und an kommt es vor, dass Stammkunden bei uns anrufen oder gleich vorbei kommen und fragen, für welches Beerdigungsinstitut wir denn den Blumenschmuck machen.

Nun, eigentlich für gar keins. Die Bestattungsinstitute haben teilweise eigene Trauerbinderei oder sind eng verwurzelt mit Friedhofsgärtnereien. Wenn wir Trauerflora binden, dann auf Kundenwunsch. Uns muss dann nur mitgeteilt werden, welches Beerdigungsinstitut beauftragt wurde bzw auf welchem Friedhof die Beisetzung ist. Wir sprechen dann mit dem Institut, erfragen die Termine und liefern dann pünktlich.

Achso. Hm. Was nimmt man denn da so? Können sie uns jemanden empfehlen?

Da kann ich dann eigentlich nichts zu sagen. Ich kenne zwar alle umliegenden Bestattungsinstitute, da ich ja regelmäßig Kränze und Gestecke liefere, aber zu der Qualität oder Preisen kann ich keine Auskunft geben.

Was ich habe, sind eigene Eindrücke. Ab und an fällt mir eine besonders schöne Trauerhalle auf oder ein besonders unfreundlicher Mitarbeiter. Aber repräsentativ ist das ja nicht – und schon gar nicht, will ich da Empfehlungen aussprechen.

Ich zähle in solchen Situationen nur die mir bekannten Unternehmen auf und mache auch mal eine Liste mit Telefonnummern. Wie sich der Kunde am Ende entscheidet, liegt nicht mehr bei mir.

Leben und Leiden eines Praktikanten

13. August 2009

Abgelegt unter: Blumenkrieg — sarah @ 19:42

Vor ein paar Wochen rief uns eine Mutti an und fragte nach einem Praktikumsplatz für ihre Tochter. Da ich ja bald gehe, würde uns das ganz passen – also luden wir sie ein, für 3 Stunden an einem Vormittag zu kommen, sich mal umzusehen und auch ein wenig mitzuarbeiten.
Drum prüfe wer sich ewig bindet… und so. Zum einen müssen wir sie ja mögen und zum anderen, muss sie ja auch erstmal schauen ob es ihr bei uns gefällt. Manchmal hat man ja falsche Vorstellungen (hatte ich vorher auch).

Nunja. Das hat sie wohl irgendwie falsch verstanden und kam kurz vor Feierabend in Vorstellungsmontur und hohen Schühchen. Nungut… also erstmal ein wenig geredet, ihr den Laden gezeigt und sie dann nochmal ausdrücklich zum Probearbeiten eingeladen.

Sie versicherte auch dass sie sich sehr freuen würde.

… und ward nie wieder gesehen.

Auch zwei Anrufe später und Gespräche mit der Mutter haben nichts richtiges ergeben. Das Mädchen meldet sich einfach nicht.

Bis heute. Aber nun darf sie sich einen anderen Praktikumsplatz suchen.

Koala, Panda und Co

28. Juli 2009

Abgelegt unter: Blumenkrieg — sarah @ 15:36

Eine polnischstämmige, junge Frau kommt in den Laden und holt einen vorher bestellten Strauß ab. Den möchte sie auf einer Hochzeit dem Brautpaar schenken – die Feier steht kurz bevor und so sieht sie auch aus: viel Make-up, hohe Schühchen, viel glitzernes Klimbim in den Ohren und um den Hals und – ein kurzes Leopardengemustertes Kleid.

Sicherlich etwas viel – aber an sich ist sie hübsch, es ist in sich stimmig und es scheint so, als habe sie sich viel Mühe mit ihrem Outfit gegeben.

Ich schiebe sie vor eine Kundin, die eigentlich vor ihr dran gewesen wäre – ihr Strauß ist ja schon fertig und sie möchte nur abholen. Bestimmt hat sie es auch eilig, also mache ich schnell, packe alles ein und wünsche ihr eine schöne Feier. Sie bedankt sich, lobt den schönen Strauß und bezahlt.

An sich nichts ungewöhnliches – wenn die andere Kundin nicht auf einmal einen merkwürdigen Auftrag hätte.

“Die sah ja aus…”
- “Die Dame ist gleich auf eine Hochzeit eingeladen.”
“Das sagt sie vielleicht…” *vielsagender Blick*
- “Nunja, jedem das seine. Sie kanns ja tragen.”
“Muss sie auch, sonst hat die ja nicht viel zu bieten!”

Ich lasse die Frau stehen und tue so als würde ich etwas wichtiges auf dem Tresen aufräumen. Solche Gespräche gehen mir auf den Zeiger und ich frage mich, wieso sie glaubt dass mich ihre Meinung interessiert.

Das nimmt sie zum Anlass um sich zu einer anderen wartenden Kundin umzudrehen.

“Sie haben die auch gesehen, oder?”
- “Ja, ganz furchtbar! Ich würde mich was schämen so rauszugehen. Also früher hätts das nicht gegeben.”
“Ja, sicher! Gott bewahre, was würden die anderen Leute denken? Aber da drüben laufen die ja alle so rum.”
- “Tja, wenn der Arbeitsmarkt sonst nix hergibt?”
“Und dann hier unsere Steuergelder verbraten…”

Die beiden Weiber lassen sich noch eine Weile über die Frau aus, äffen einen osteuropäischen Akzent nach und sind sich einig.

Einerseits mag ich meine Arbeit eben weil ich viel Kundenkontakt habe, hier und da ein netter Plausch entsteht und ich die verschiedensten Menschen kennenlerne. Andererseits… könnte ich genau wegen solcher Leute in die Tischkante beißen, sie achtkantig rausschmeißen oder mir die Ohren zuhaltend und lalala schreiend durch den Laden rennen.

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