… dicker als Wasser.
Ein komisches Gefühl, wenn Menschen die schon immer da waren, sterben.
Ich habe das zweifelhafte Glück, eine ziemlich junge Familie zu haben. Sie bekamen früh Kinder, sie wurden alt. So hatte ich bis kurz vor meinem zehnten Geburtstag noch eine UrUrOma. Eine rüstige fast 90 jährige mit hinreißendem Keenigsberrger Akzent. Wenn ich an sie denke, denke ich an Butterkekse. Warum auch immer. Ansonsten weiß ich nicht mehr viel von ihr, was wohl auch daran liegt, dass ich sie gar nicht oft gesehen habe. Ein paar runde Geburtstage, manches Weihnachten vielleicht.
Genauso verhält es sich mit meiner Uroma. Eigentlich schon immer da, irgendwo im Hinterkopf, doch nie präsent. Sie hatte kein gutes Verhältnis zu uns, wir nicht zur ihr.
Nun liegt sie im sterben. Erkennt niemanden mehr.
Und ich frage mich, wann der Zeitpunkt zum verzeihen ist. Ob man manche Dinge überhaupt verzeihen kann. Und wann es zu spät dafür ist.

Ich verbinde mit meiner Uroma immer noch die guten alten Fünf-Mark-Stücke.. warum auch immer..
Verzeihen ist glaube ich jetzt ein ganz guter Zeitpunkt. Der Bruder meines Opas liegt auch im sterben, er ist der Pate meiner Schwester hat sich aber nie um sie gekümmert.. Aber jetzt ist zeit zu verzeihen..
Vielleicht sollten wir oft früher verzeihen, weil es sonst zu spät sein kann…
Kommentar von Buchschreck — 10. März 2010 um 18:33
es ist definitiv nie zu spät zum verzeihen, selbst wenn derjenige schon tot ist. aber es ist schöner für denjenigen, wenn es noch zu lebzeiten geschieht.
ob man manche dinge überhaupt verzeihen kann, ist im übrigen eine interessante frage. ich denke schon. der verzeihensprozess ist aber so viel mehr als demjenigen, dem verziehen werden muss, einen gefallen zu tun. der prozess beginnt bei einem selbst und letztendlich hat derjenige, der verzeiht von diesem prozess auch deutlich mehr als derjenige, dem verziehen wurde. solange man nämlich etwas noch nicht verziehen hat, ist es noch nicht erledigt. es bleibt präsent, wenn auch nur im unterbewusstsein. und es belastet, wenn auch nur über diesen umweg. aus dem grund würde ich es dir sehr ans herz legen dieses prozess zu starten, ganz unabhängig davon, ob die uroma im sterben liegt oder nicht. weil es für dich ist und nicht für sie.
alles gute, wünsch ich dir.
Kommentar von agichan — 10. März 2010 um 19:11
Wenn _Dir_ eine Aussprache wichtig ist, dann tue es, solange noch Zeit ist.
Falls es Dir nicht wichtig ist: war dieser Mensch zu Lebzeiten wirklich ‘ne Arschbacke, da kanns durch den Tod nicht schlechter werden…
Manche Leute braucht die Welt einfach nicht.
Aber das mußt Du langfristig mit Dir selber ausmachen. Egal wie Deine Entscheidung ausfallen wird: sie ist endgültig
Kommentar von Broken Spirits — 12. März 2010 um 01:32
[...] Freitag ist die Beisetzung. Mir schwahnt böses. Kommentare [...]
Pingback von Geschnippel am Mittwoch « sarah-at-work — 17. März 2010 um 22:12