Ich sitze an meiner Kasse, Deutschland spielt gegen Argentinien.
Totenstille im Laden ab kurz vor 4, nur ein paar Verirrte laufen durch die Gänge, ein bisschen Eis wird gekauft.
Ein Mann kommt an meine Kasse, kauft 2 Flaschen Bier.
“Sie Arme, sie müssen hier sitzen und können das Spiel ja gar nicht sehen!”
- Sie ja auch nicht?
Kurzes, nachdenkliches Schweigen.
- Stimmt. Da haben sie allerdings recht.
Samstag morgen, 6.00 Uhr in der früh.
Hachja. Gleich gehts zur Orbeit, in den Osterstress mit osterstressigen Kunden und unzähligen Eierunfällen.
Wetten?
Vorgestern hatten wir ja schon einen Vorgeschmack auf das österliche Kaufverhalten und ich glaube ich habe bestimmt 10 mal den Mop geschwungen und zerdepperte Eier beseitigt. Weiße Eier natürlich. Die kann man nämlich besser färben. Ostereierfarbe ist allerdings schon ausverkauft.
Hans hat in den Kommentaren folgendes gefragt:
Was ist denn, wenn am Abend ~ 1€ zuviel bzw zuwenig drin ist? Musst du das dann selbst ausgleichen bzw darfst den Überschuss behalten?
Nein, ich muss da nichts aus eigener Tasche bezahlen. Eine gewisse Differenz ist auch normal bzw. geduldet. Es kann immer mal passieren, dass man sich z.B. bei den 1-, und 2-Cent Stücken versieht. Sowohl mir, wenn ich Geld herausgebe, als auch den Kunden. Besonders wenn die Centstücke in meiner Schublade falsch eingeordnet sind, es sehr voll im Laden ist oder der Kunde mit einem Beutel Kleingeld ankommt, kann man sich schon mal verzählen. Mir sind auch schon mal ein paar Cents herunter gefallen und nie wieder aufgetaucht.
Bei einem Euro zu viel oder zu wenig, reißt mir niemand den Kopf ab. Wenn allerdings öfters größere Beträge fehlen, kann das schon konsequenzen haben. Dann arbeite ich entweder schlampig und unkonzentriert, oder ich stecke mir das Geld selber ein. Bei Ersterem würde es vermutlich zuerst ein Gespräch mit dem Vorgesetzten geben und wenn das nicht fruchtet, darf man seine Sachen packen. Wenn man bei Zweiterem erwischt würde, dürfte man wohl ebenfalls seine Sachen packen und würde noch eine Anzeige mit nachhause bekommen.
Denke ich zumindest. Ausprobieren möchte ich das eigentlich nicht..
Wenn die Kasse abends nicht stimmt, muss praktisch gesehen aber nicht immer wirklich Geld fehlen. Z.B. falsch oder gar nicht stornierte Bons. Ein Kunde kauft beispielsweise eine ganze Menge Sachen und bemerkt dann, dass er sein Geld nicht mit hat. Er lässt die Waren also im Laden und geht. Gescannt sind sie trotzdem und die Kasse denkt, sie wurden gekauft.
Wenn ich den Vorgang dann nicht storniere (ist eine etwas umständlichere Sache, und wenn der Laden voll ist, verschiebt man es auf später und vergisst es dann…) fehlt der Betrag eben abends beim abrechnen, obwohl die Waren nie den Laden verlassen haben.
Eine Kundin hat einige Sachen eingekauft und soll nun rund 110 Euro bezahlen.
Sie kramt in ihrem Portemonaie, holt das Geld heraus und legt es mir auf die Ablage.
Ich zähle die Scheine nochmal durch und sehe, dass sie mir 3 fünfziger und einen zehner gegeben hat. Das sind 50 Euro zu viel.
Sowas passiert übrigens öfters als man glaubt: gerade neue Scheine kleben manchmal richtig aneinander.
- Dankeschön, aber das ist einer zuviel. Den gibts zurück… ich gebe ihr den Schein und sie schaut mich ganz perplex an.
“Das ist aber nett, dass sie mir das sagen. Also, das ist wirklich… ganz toll, vielen Dank!”
- Natürlich, gerne…
“Neinnein, das ist nicht selbstverständlich! Deswegen kaufe ich nur hier ein! Sie sind wirklich freundlich!”
Ich kann mir eigentlich gar nicht vorstellen, dass andere Läden sich das Geld eingesteckt hätten. Auch wenn ich ihr den Schein nicht zurück gegeben hätte – ich hätte abends beim Abrechnen ein Problem gehabt, denn meine Kasse hätte nicht gestimmt. Von daher klappt sowas wohl höchstens in der Gastronomie, wo Trinkgelder angenommen werden dürfen. Oder wenn sich der Kollege das Geld ganz frech selber in die Tasche steckt. Gibts vermutlich auch.
“Entschuldigung?” spricht mich eine ziemlich alte Kundin an, als ich auf dem Weg von meiner Pause zurück an meine Kasse, durch den Markt laufe.
“Die Sachen hier in den Regalen, die stehen alle viel zu hoch!” spricht sie und deutet auf die oberste Regalreihe.
Nunja. Für jemanden, der vielleicht 1,45m groß ist, ist das wirklich hoch. Das ist nicht übertrieben – die Frau war wirklich winzig klein.
Sie deutet immer noch aufs oberste Regal.
- Soll ich Ihnen etwas herunterholen?
“Nein. Ich wollte das nur mal jemandem sagen, damit Sie bescheid wissen!”
- …okay, danke. Ich leite das weiter.